Dating und die Partnersuche bei heterosexuellen Menschen gestaltet sich schon nicht so einfach. Bei Homosexuellen und Gays ist es jedoch noch um ein ganzes Stück schwieriger, einen passenden Partner für eine dauerhafte Beziehung zu finden.

Die Tatsache, homosexuell zu sein, bringt eine neue Ebene an Komplexität mit ins Spiel. Vielleicht mag dies daran liegen, dass wir als Männer uns besser in unser Gegenüber versetzen können, weil es sich dabei ebenfalls um einen Mann handelt. Machen anders herum formuliert die Unterschiede zwischen Mann und Frau den Dating-Prozess also einfacher? Schwierig zu sagen.

Dating Hürden bei Homosexuellen

Mit Sicherheit ist der Entwicklungsprozess bei der Entdeckung der eigenen Sexualität anders als bei heterosexuellen Menschen. Bei vielen Gays ist dieser auch im Mannesalter oft noch nicht abgeschlossen, weil man vielleicht erst sehr viel später seine sexuelle Präferenz entdeckt, sich damit auseinandergesetzt und angefangen hat, diese auszuleben.

Ich möchte mit diesem Beitrag auf keinen Fall Klischees und Stereotype bedienen und auch wenn ich an der einen oder anderen Stelle vielleicht ein wenig verallgemeinere, möchte ich betonen, dass mir sehr wohl bewusst ist, dass jeder Mensch unterschiedlich ist und seine individuelle Situation anders sein kann. Der Einfachheit halber möchte ich dennoch die 10 verbreitetsten Hindernisse und Schwierigkeiten beim Dating unter Gay Männern herausstellen, die ich durch Gespräche und der Auswertung von Foren- und Communitybeiträgen am häufigsten beobachten konnte.

1. Unterschiedliche Stadien des Outings

Wenn es um das Outing geht, wird das in unterschiedlichsten Stadien des Lebens vollzogen und auch die Art und Umfang sind sehr verschieden. Manche outen sich bereits während der Pubertät und stehen von Anfang an offen zu ihrer sexuellen Orientierung. Anderen wird es erst sehr viel später bewusst oder sie waren sich unsicher oder wollten den gesellschaftlichen Druck vermeiden. Daher kann ein Coming Out auch noch im hohen Alter erfolgen.

Dann handhabt es jeder Mann anders, gegenüber wem er sich outet – nur dem engsten Kreis der Familie oder den engsten Freunden, oder auch gegenüber Kollegen oder gleich komplett öffentlich. Das macht das Dating schwerer, wenn sich der potentielle Partner in einem gänzlich anderen Stadium befindet. Lebt man beispielsweise ganz offen als bekennender Schwuler, und datet einen Mann, der seine Homosexualität noch vor seiner Familie und seinen Freunden verbirgt, dann kann das schnell zu Konflikten führen.

In Zeiten von allgegenwärtigen Handykameras und sozialer Medien kann es sich mitunter äußerst schwer gestalten, solch eine Partnerschaft zu führen, ohne dass seine Familie oder seine Freunde etwas davon mitbekommen.

Um der Beziehung eine Chance zu geben, sollte man einen offenen Dialog darüber führen, ob es nicht doch besser oder sogar notwendig ist, dem Partner dabei zu helfen, seine sexuelle Orientierung auch nach außen zu zeigen. Das ist zweifelsohne ein äußerst schwerer Schritt, ganz besonders gegenüber der eigenen Familie oder im Freundeskreis. Schließlich kann niemand die Reaktion im Vorfeld voraussagen. Es kann zu einer kompletten Ablehnung führen. Aber genauso gut kann die Reaktion sehr viel positiver ausfallen. Oder aber die Menschen in seinem Umfeld brauchen einfach Zeit, um damit klar zu kommen.

Ein Coming Out ist also mit Risiken behaftet, aber für eine erfüllende Partnerschaft ist es wohl unumgänglich, dass beide Partner offen zur Ihrer Homosexualität und zueinender stehen. Ansonsten hat eine längerfristige Beziehung wohl nur äußerst geringe Chancen.

2. Sex steht zu stark im Vordergrund

Bewegt man sich in der Gay Szene, dann wird schnell deutlich, wie leicht es doch ist, einen Sexpartner zu finden. Das liegt wahrscheinlich an dem Umstand, dass die Libido bei uns Männern generell hoch ist und auch der Testosteronspiegel scheint da eine große Rolle zu spielen. Bei Dating unter Männern ist nun dieses Testosteron doppelt vorhanden und das führt mitunter zu einem stärkeren Ausleben des Sexualtriebes. Die überall vorhandenen erotischen Reize tun da ihr übriges, um das Feuer weiter zu schüren.

Mit der App-Dating-Kultur und Dating Plattformen wie gay roeal hat der schnelle Austausch von Sexualpartnern unter Männern ein neues Level erreicht.

Ein weiterer Faktor ist mit Sicherheit auch die Tatsache, dass viele Schwule zunächst ihre Sexualität unterdrücken, verstecken oder nur sehr gehemmt ausleben konnten. Ist das Coming Out erst mal erfolgt, kann es sich wie eine Befreiung anfühlen und zu einem enthemmten Verhalten führen. Das ist an sich natürlich nichts schlechtes. Nur ist die verstärkte Suche nach körperlicher Befriedigung nicht immer das, was sie zu sein scheint.

Manchmal kann sich dahinter auch der unterbewusste Wunsch und das Bedürfnis verstecken, eine Leere in sich zu füllen. Schneller Sex kann sich sehr gut anfühlen. Dennoch kann er nicht die Erfüllung und tiefe Zufriedenheit einer langjährigen, glücklichen Partnerschaft ersetzen.

Aus diesem Grund kann es ratsam sein, sich mal ausführlich mit seinen tatsächlichen Bedürfnissen ehrlich und offen auseinanderzusetzen und in sich rein zu horchen. Was will ich wirklich? Was macht mich glücklich? Nur wenn man sich selbst und seine wahren Bedürfnisse auch kennt, kann man jemanden finden, mit dem man diese auch erfüllt.

3. Probleme mit der eigenen Identität

Schwul zu sein, ist oft verwirrend. Es gibt weder den richtigen noch den falschen Weg. In der Regel wachsen Schwule in einer stark heterosexuell geprägten Welt auf und sie müssen darin erst einmal zu sich selbst und dann ihren Platz darin finden. Dabei müssen viele Unsicherheiten, Zweifel, Scham und Widerstände überwunden werden. Oft hat man auch keinen männlichen Orientierungspunkt, der einem einen passenden Zugang zur eigenen Sexualität zeigt. Also ist man damit oft alleine gelassen und es braucht wesentlich mehr emotionale und psychische Arbeit als bei heterosexuellen Zeitgenossen.

Wichtige Fragen müssen beantwortet werden, um ein glückliches Leben zu führen. Wer bin ich? Wer möchte ich sein? Zu wem fühle ich mich hingezogen? Welche Rolle spielen eine dauerhafte Partnerschaft oder die Ehe für mich? Welche partnerschaftlichen Ziele habe ich? Möchte ich mal eigene Kinder haben? Möchte ich monogam leben? Kann ich mich dauerhaft binden?

Als Schwuler hat man ungleich weniger Orientierungspunkte im Umfeld und unserer Gesellschaft an sich. Werte, Konventionen und Grenzen müssen oft hart erarbeitet werden und verschieben sich dann auch noch häufig.

4. Emotionale Wunden

Aus den im letzten Punkt genannten Gründen und aufgrund der Tatsache, dass Homosexuelle immer noch nicht voll in unserer Gesellschaft akzeptiert und oft genug Anfeindungen ausgesetzt sind, ist es nicht weiter wunderlich, dass dadurch tiefe, emotionale Wunden entstehen können.

Es fängt schon beim Erwachsenwerden an, wenn man ständig seine Anteile seiner eigenen Persönlichkeit verbergen muss oder man ständig als „anders“ wahrgenommen oder gar als Randgestalt behandelt wird. In anderen Kulturen ist es noch viel schlimmer.

Das kann zu heftigen Problemen in der Persönlichkeitsentwicklung führen und einen natürlichen und gesunden Umgang mit der eigenen Identität und Sexualität verhindern oder zumindest behindern. Man wurde oft verletzt in der Vergangenheit und das führt zu einer großen Angst, erneut verletzt zu werden.

Ausgrenzungen, Anfeindungen und Stigmatisierung führen dazu, dass man Barrieren aufbaut, sich innerlich verschließt und abstumpft. Sind die Mauern um die eigene Person erst mal hoch, dann wird es schwer für einen Partner, diese wieder abzubauen.

Hier ist es wichtig, einen realistischen Blick auf diese Umstände zu haben, auch wenn das schmerzen kann. Nur wenn beide Partner ehrlich zu sich selbst und auch zueinander sind, kann man gemeinsam die Mauern Stein für Stein abtragen und somit eine vertrauensvolle und stabile Beziehung aufbauen.

5. Überhöhte Erwartungen

Es ist nicht nur ein Gerücht, dass Gays extrem wählerisch sein können. Das hat sich durch das Aufkommen des Internet Dating, der zahlreichen Handy-Apps und sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Co. enorm verstärkt. Als Schwuler hat man leicht den Eindruck, der Pool an Kandidaten und die Möglichkeiten zum Kennenlernen von anderen Gays sind unerschöpflich. Nimmt man Tinder als prominentes Beispiel, dann ist bei Nichtgefallen der Kandidat mit einem Wischer beseitigt und per Handbewegung steht schon der nächste parat.

Dating unter Männern bringt besondere Herausforderungen mit sich

Dating unter Männern bringt besondere Herausforderungen mit sich

Durch die Fülle an Kontaktmöglichkeiten keimt in einem das Gefühl, dass man immer noch einen besseren Partner finden kann. Dieses Grundgefühl ist für eine ernsthafte Partnersuche natürlich wie Gift.

Schwule sind Männer mit Egos, die meist nach dem Besten in allem streben. Das kann vielleicht auch daran liegen, dass sie während ihrer Kindheit und dem Heranwachsen gelernt haben, dadurch ihre Andersartigkeit zu kompensieren. Dieses permanente Streben nach Perfektion kann nun dazu führen, dass wir überhöhte Erwartungen an uns selbst und somit auch indirekt an einen potentiellen Partner haben.

Das Fernsehen, Magazine und die Medien im Allgemeinen zementieren diese Erwartungen schließlich, indem sie den Eindruck vermitteln, jeder muss wie ein Model aussehen, einen durchtrainierten Beachbody besitzen, extrem erfolgreich sein und zudem intelligent, witzig und charmant daherkommen.

Hier kann es helfen, an der eigenen Erwartungshaltung zu arbeiten. Das wird sich mit Sicherheit günstig auf die Erfolgschancen für eine ernsthafte und langfristige Beziehung auswirken.

6. Große Altersunterschiede

Grundsätzlich ist es ein schöner Umstand, wenn Altersunterschiede zwischen zwei Partnern keine große Rolle spielen. Und hier scheinen Schwule ihren heterosexuellen Mitmenschen einen großen Schritt voraus zu sein.

Es kann jedoch zu Problemen führen, wenn der Altersunterschied zu deutlich ist. Trennen die Partner beispielsweise mehr als 15 Jahre, dann kann durchaus die eine oder andere Schwierigkeit daraus erwachsen. Es gilt hier zu erwähnen, dass es weniger der tatsächliche Altersunterschied in Jahren ist, der problematisch sein kann, als das aktuelle Stadium im Leben, in dem man sich gerade befindet.

Sind beispielsweise beide Partner – unabhängig von Alter – immer noch absolute Partytiger und genießen es, die Nächte in Bars, Kneipen und Clubs um die Ohren zu schlagen, dann stehen die Chancen gut, dass es mit einer Beziehung klappt. Falls aber einer von beiden diese Phase schon hinter sich gelassen hat und sich anderen Dingen im Leben widmet, dann kann das zu Konflikten führen. Das gleiche gilt, wenn einer beispielsweise noch zur Schule geht, studiert und/oder noch bei seinen Eltern wohnt, während der andere bereits mitten im Berufsleben steht und vielleicht als Geschäftsführer eine große Firma leitet.

Während diese massiven Unterschiede im aktuellen Lebensentwurf bei kurzen Techtelmechteln oder Affären weniger eine Rolle spielen, sind sie für den Aufbau eines gemeinsamen Lebens problematisch. Das bedeutet nicht, dass es dennoch klappen kann. Es wird nur sehr viel schwieriger. Eine gemeinsame Basis ist schließlich die beste Voraussetzung für eine stabile Partnerschaft.

7. Stark abweichende Einstellungen zur Partnerschaft

Ähnlich wie bei großen Unterschieden hinsichtlich des Alters, sind unüberwindbare Differenzen bei der Einstellung zur Partnerschaft ein KO-Kriterium. Stellt man also fest, dass die grundsätzlichen Vorstellung und Erwartungen an eine Beziehung nicht vereinbar sind, dann sollte man vielleicht lieber weitersuchen.

Neben wir mal das Beispiel, bei dem der eine Part eine monogame Beziehung anstrebt, der andere Part sich aber nur auf eine offene Beziehung einlassen möchte. Ich denke, hier liegt es auf der Hand, dass es nicht klappen wird.

Es gibt jedoch Fälle, bei denen sich nach einer Phase des intensiven Kennenlernens selbst unterschiedlichste Einstellungen allmählich aneinander angenähert haben. Vielleicht entdeckt man durch den Partner auch völlig neue Seiten an sich selbst oder öffnet sich für neue Wege. Das ist natürlich möglich.

Sollten Sie also einen Mann kennengelernt haben, der Ihnen wirklich wichtig ist, dann lohnt sich es sich vielleicht auch trotz anfänglicher Differenzen in Bezug auf die Einstellung zur Partnerschaft, den Mann weiter zu treffen. Man kann dem Ganzen schließlich eine faire Chancen geben. Stellen Sie hingegen fest, dass man auf keinen gemeinsamen Nenner kommt, dann hilft auch kein Druck. Dann ist es am besten, dies zu akzeptieren und weiter zu ziehen.

8. Eifersucht & Misstrauen

Die Schwulengemeinden und Gay Communities in den meisten Städten sind recht überschaubar und man besucht häufig die gleichen Locations und begegnet denselben Menschen. Das bedeutet, dass man als Schwuler mit größerer Wahrscheinlichkeit auf Ex-Partner trifft. Gleichzeitig sind Homosexuelle in der Regel recht kontaktfreudig und flirten gerne. Zur Begrüßung küsst man sich auf den Mund, man umarmt sich, gibt Klappse auf den Hintern, usw.

Ist man noch nicht so richtig über den Ex hinweg, kann das natürlich problematisch werden. Hinzu kommt die Unsicherheit und Verletzlichkeit bei vielen Schwulen, die aus einer schwierigen Jugend- und Selbstfindungszeit stammen. Das mündet dann nicht selten in destruktive Gedanken- und Verhaltensmuster, die uns unsere Neurosen, Ängste und Unsicherheiten auf unsere Partner projizieren lassen. Wir sind eifersüchtig aus keinem ersichtlichen Grund und können uns diesen Gefühlen nicht erwehren.

Eifersüchtige Gedanken können sich – ohne dass dafür Anlass besteht – verselbständigen und führen zu den verrücktesten Bildern im Kopf. Man sieht den Verrat an jeder Ecke und reagiert extrem empfindlich auf kleinste Dinge. Kommt dann noch mangelnde Kommunikation innerhalb der Partnerschaft dazu, dann ist die Katastrophe meist vorprogrammiert.

Falls Sie diesen Hang zur Eifersucht in sich spüren, hilft es weiter, den Blick nach innen zu richten. Was sind Ihre größten Ängste? Was erzeugt in Ihnen ein Gefühl der Unsicherheit und des Unbehagens? Gibt es handfeste Anzeichen, dass Ihr Partner fremd geht oder handelt es sich nur um Ihre Interpretationen? Haben Sie Angst davor, er könnte Sie verlassen? Worauf begründet sich diese Sorge? Haben Sie ein grundsätzliches Vertrauen in Ihren Partner?

Setzen Sie sich zunächst selbst mit diesen Fragen auseinander und versuchen Sie, zu ordnen, welche Punkte mit Ihrem Partner und welche nur mit Ihnen selbst zu tun haben. Nach diesem Schritt können Sie dann einen ehrlichen und offenen Dialog mit dem Partner anstreben. Vermeiden Sie aber schon von Beginn an Beschuldigungen, Anschuldigungen oder Verdächtigungen. Sprechen Sie einfach in einem ruhigen Moment an, was Ihnen Sorgen bereitet und warum.

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